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Policy Brief / Beratungsvermerk

Advisory Note: Mobilität und Feldforschung in den Wissenschaften: Gleichstellung der Geschlechter und Prävention von Belästigung

Dieses Merkblatt bietet Ratschläge zu Strategien zur Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und des gleichberechtigten Zugangs zu allen Ressourcen in der Praxis der Wissenschaft und zur Beseitigung von Hindernissen für die uneingeschränkte Teilnahme von Frauen an der wissenschaftlichen Mobilität und Internationalisierung. Der Schwerpunkt liegt auf Feldforschung und Gastwissenschaftlern, die kurz- bis mittelfristige Forschungsarbeiten im In- und Ausland durchführen.

Hinweis

Untersuchungen haben gezeigt, dass Mobilität ein wichtiger Bestandteil eines erfolgreichen langfristigen beruflichen Aufstiegs ist – insbesondere für Frauen. Die Internationalisierung und die weltweite Zusammenarbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wird durch Mobilität gefördert. Das ICSU-Statut 5 über das Prinzip der Universalität der Wissenschaft verpflichtet die ICSU und ihre Mitglieder, die Bewegungs-, Vereinigungs-, Meinungs- und Kommunikationsfreiheit für Wissenschaftler zu gewährleisten und einen gleichberechtigten und diskriminierungsfreien Zugang zur Wissenschaft zu fördern. Eine der Herausforderungen bei der Unterstützung der Freizügigkeit und gleichberechtigter Zugang zur Wissenschaft ist Belästigung, insbesondere geschlechtsspezifische Belästigung am wissenschaftlichen Arbeitsplatz, sei es in einem Labor
oder ein Feldforschungsstandort. Wissenschaftliche Feldarbeit und Forschung und Lehre, die über die normal geregelten Arbeitsplatzpraktiken hinausgehen, stellen besonders sensible Bereiche dar und sind ICSU ein Anliegen.

Barrieren und Herausforderungen

Sowohl offene als auch subtile geschlechtsspezifische Belästigung gilt Berichten zufolge als eine bedeutende Form der Diskriminierung von Frauen und gelegentlich auch von Männern. Diese Belästigung umfasst Handlungen von Vorgesetzten oder Kollegen sowie von anderen Personen, die in Feldforschungsumständen angetroffen werden. Es schafft eine Barriere für Mobilität und wissenschaftliche Vernetzung und widerspricht dem Prinzip der Universalität der Wissenschaft. Das Potenzial geschlechtsspezifischer Belästigung im Kontext sozialer Hierarchien oder Abhängigkeiten im akademischen Umfeld erzwingt eine besondere Verantwortung von akademischen oder Forschungseinrichtungen, klare Standards zu setzen, und von einzelnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, sich vor jeglicher Form geschlechtsspezifischer Belästigung zu schützen. Wie bereits erwähnt, sind insbesondere Frauen von geschlechtsspezifischer Belästigung bedroht. Dies kann ihre Mobilität einschränken und zu der gut dokumentierten Unterrepräsentation von Frauen unter hochrangigen Wissenschaftlern und Führungskräften in Wissenschaft und Industrie beitragen. Wenn diese Probleme nicht konsequent und angemessen angegangen werden, werden sie sich negativ auf das wissenschaftliche Unternehmen auswirken. Sie haben das Potenzial, der Integrität der Forschungsgemeinschaft, den Beziehungen zwischen ihren Praktikern und dem Engagement der Opfer für wissenschaftliche Forschung und Wissenschaft zu schaden.

Die Bewältigung dieser Herausforderung des gleichberechtigten Zugangs erfordert konsistente Strategien:

1. Dokumentation

Systematische Daten zur Inzidenz und Prävalenz von geschlechtsspezifischer Belästigung in Wissenschaft und Forschung im Allgemeinen und in der Außendienstarbeit im Besonderen fehlen. ICSU-Mitglieder, Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie Nichtregierungsorganisationen werden daher ermutigt, relevante Daten und Kennzahlen zur Belästigung von in der Feldforschung tätigen Wissenschaftlern zu sammeln. Die Analyse und Interpretation dieser Daten sollte Gegenstand von Veröffentlichungen, wissenschaftlichen Tagungen und Beratungsgremien sein.

2. Richtlinien und Verfahren

Bestehende lokale oder nationale Belästigungsrichtlinien und Verhaltenskodizes von Universitäten und anderen Forschungsorganisationen müssen Feldforschung und internationale Forschungsaufenthalte angemessen abdecken. Insbesondere sollten die Richtlinien oder Verhaltenskodizes eine Erklärung enthalten, dass wissenschaftliche Besucher einer Organisation einem solchen Kodex unterliegen und dass sie im Rahmen ihrer Ernennung oder ihres Einstellungsverfahrens darüber informiert werden sollten.

Den Fördereinrichtungen wird empfohlen, sich für alle Forschungs- oder Stipendienaktivitäten, die sie unterstützen, auf organisatorischer Ebene für solche Praktiken einzusetzen. ICSU-Mitglieder werden ermutigt, Richtlinien und Verfahren zur Bekämpfung von Belästigung in diesen internationalen Kontexten zu fördern.

Dazu gehören typischerweise:

  • Bereitstellung von Schulungen für alle Mitglieder der Forschungsgemeinschaft zu den vielen Formen von Belästigung, wie man sie erkennt und wie man damit umgeht;
  • Entwicklung einer starken Aussage von Forschungs- und wissenschaftlichen Organisationen, dass jede Form von Belästigung inakzeptabel ist;
  • Entwicklung leicht zugänglicher, transparenter und vertraulicher Berichtsmechanismen, die von Feldforschern unter allen Umständen leicht aufgerufen werden können. Dabei kann es sich um eine Ombudsperson, eine Internetressource oder andere Ressourcen zur Krisenintervention handeln;
  • Klare und gut dokumentierte Prozesse implementieren, um sicherzustellen, dass gemeldete Belästigungen überprüft und effizient behandelt werden;
  • Verhängung klar artikulierter Sanktionen gegen diejenigen, bei denen festgestellt wird, dass sie Belästigungen begehen, seien es Organisationsmitglieder, Gastwissenschaftler, Feldforscher oder Praktikanten oder andere; und
  • Unterstützung anderer Organisationen im Umgang mit Belästigungsproblemen.

Belästigung, insbesondere von Feldforschern oder Gastwissenschaftlern, ist eine Geißel, die aus der Wissenschaftslandschaft entfernt werden muss.

Dies kann durch konzertierte Maßnahmen erreicht werden und wird zu einem verbesserten Arbeitsumfeld, mehr Geschlechtergerechtigkeit und messbar besseren Ergebnissen für die wissenschaftliche Praxis führen.


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